Fueller
November_2011-10

Gedenkveranstaltung anlässlich der Reichspogromnacht am
9. November 2011 in Kleve, Synagogenplatz

Vor 73 Jahren brannten in ganz Deutschland Synagogen, Wohnhäuser und Geschäfte von jüdischen Mitbürgern wurden zerstört und geplündert. So auch in Kleve. Wie in den Jahren zuvor versammelten sich deshalb Bürger und Ehrengäste am Platz der ehemaligen Synagoge im Gedenken an das Grauen, das dort am 9. November 1938 geschah.

Durch die Gedenkveranstaltung führte Marie Diedenhofen, Vorsitzende des Vereins „Buren zonder Grenzen – Nachbarn ohne Grenzen“. Sie erinnerte daran, dass genau an dieser Stelle, der Reitbahn, „der Boden gebrannt hat“. „Wir bekunden Trauer und Scham über das Entsetzliche, das hier geschah“ sagte Bürgermeister Brauer in seiner kurzen Ansprache. „Demokratie gibt es nicht zum Nulltarif und wir stehen dafür ein, etwas für Menschenrechte, Freiheit und Demokratie zu tun“ betonte er. Er appellierte auch an die junge Generation, die nie eine Diktatur erlebt hat, der Vergangenheit zu gedenken um Erkenntnisse für heute zu erhalten.

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Der bewegenste  Moment  der Veranstaltung war ein Erlebnisbericht von Gila van de Braak, die vom Schicksal ihres jüdischen Großvaters Alfred Ludwig Wieruszowski erzählte. Gila van den Braak wurde in Palästina geboren, dem Land, in das ihre Mutter einst fliehen musste. Sie wohnt seit 1985 in Kleve. „Erst heute fühle ich mich frei genug, Persönliches zu erzählen.“ sagte sie. Wieruszowski war Richter in Köln, mit 63 Jahren sogar Senatspräsident des Oberlandesgerichts geworden. „Mein Großvater fühlte sich als Deutscher durch und durch, mehr sogar noch als Sohn der Aufklärung und der Klassik“ erzählte van de Braak. Seine vier Töchter ließ er gar taufen. Wegen seiner langjährigen Tätigkeit als Honorarprofessor an der Uni Köln gratulierte ihm der Dekan 1933 noch herzlich zum 75. Geburtstag, im April des selben Jahres fand man dann einen Anschlag an der Universität mit der Aufschrift „Wenn ein Jude deutsch, spricht lügt er“. Ein Jahr später war sein Name aus den Personalverzeichnis der Uni gestrichen. Mit brüchiger Stimme schildert sie den Moment, als er sich von seinen Töchtern verabschiedete, die per Zug ausreisten. „Er saß im Bahnhof und schüttelte wütend und hilflos die Fäuste.“

Beeindruckend war das Kaddisch-Gebet des Rabbis Mendel Levine sowie ein Friedensgedicht, gesprochen von Jem van den Burg, die beide aus Nimwegen angereist waren.

Schüler der Lutherschule Kleve führten den hebräischen Tanz „Hashual“ auf und Abiturienten des Berufskollegs des Kreises Kleve boten Textrezitationen von  Erich Fried. Für die musikalische Begleitung sorgte der Chor der Christus-König-Kirche mit Psalmengesängen unter der Leitung von Johannes Feldmann.

Im Anschluss der Feier waren alle Gäste zu einer weiteren Begegnung im Kolpinghaus eingeladen.

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